Antisemitismus: Offener Brief von Autor*innen
Aria Murphy
Published Apr 14, 2026
29. Oktober 2023. Das Schweigen des Kulturbetriebs nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7.10. und den darauf folgenden Drohungen gegen Jüdinnen und Juden sowie jüdischen Institutionen weltwelt hat einen offenen Brief an den Literaturbetrieb provoziert, den inzwischen viele namhafte Autor*innen unterschrieben haben.
"Wir sind links-, liberal- und konservativ-denkende Autorinnen und Autoren. Was uns eint, ist die Solidarität mit den in Deutschland, Österreich und der Schweiz lebenden Jüdinnen und Juden. Was uns eint, ist die Solidarität mit dem Staat Israel und allen Menschen, die sich für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte, auch im Gazastreifen, einsetzen. Wir stellen uns gegen jede Form von Antisemitismus – aus der Mitte, wie von rechts und links."
Nach dem Angriff der terroristischen Hamas auf Menschen, "die nichts anderes zu Opfern von Folter, Vergewaltigung, Entführung und Mord machte, als dass sie jüdische Israelis sind, verharrt der Literaturbetrieb in einem an Bräsigkeit nicht zu überbietenden Schweigen. Oder ist es gar keine Bräsigkeit, sondern konzentriertes Stillhalten, um bloß keinen Fehler zu machen?", heißt es darin unter anderem.
"Der Literaturbetrieb könnte machen, was er auch sonst macht: Solidaritätsbekundungen und Solidaritätslesungen. Das alles wäre nicht viel und doch wäre es eine öffentliche Haltung, die der einen oder dem anderen Halt gäbe, und die den jüdischen Autorinnen und Autoren deutlich machen würde: Ihr seid nicht allein, wir sind an Eurer Seite. Stattdessen wird geschwiegen, ein Schweigen, das dumpfer und lauter nicht sein könnte. Wo sind die Literaturhäuser, die Literaturinstitutionen, die Literaturfestivals, die Akademien, die Verlage? Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 zog nahezu ad hoc Solidaritätsbekundungen nach sich, die jetzt fehlen. Warum? Hat wirklich niemand dazu eine Haltung? Oder ist der Antisemitismus bereits so weit im Literaturbetrieb verankert, dass hier der Grund zu suchen ist?"
Jüdinnen und Juden seien in diesem Land, in Europa und weltweit bedroht.
"Es ist Zeit, in aller gebotenen Schärfe die Stimme zu erheben. Wir haben genug von jedwedem relativistischen Lavieren. Wir sehen das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung und fordern humanitäre Hilfe, wenden uns aber dagegen, mit dem Leiden der Menschen im Gaza-Streifen den Terror der Hamas zu relativieren und die Selbstverteidigung Israels zu delegitimieren. Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten und hat, wie jeder funktionierende Staat, die eigene Bevölkerung vor Terror zu schützen."
Unter den Unterzeichnenden sind neben vielen anderen Dirk von Lowtzow, Sibylle Berg, Christian Kracht, Clemens J. Setz, Durs Grünbein, Hengameh Jaghoobifarah, Lutz Seiler, Hannah Zufall, Burkhart Klaußner, Marcel Beyer, Doris Dörrie, Anne Rabe, Lothar Kittstein, Rebekka Kricheldorf, Albert Ostermaier, Alexander Karschnia, Terézia Mora, Alissa Walser, Nuran David Calis und Haznain Kazim.
(sle)
Hier die Meldung Deutscher Bühnenverein verurteilt Hamas-Terroranschlag vom 10. Oktober 2023
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