Plauen-Zwickau
Jessica Hardy
Published Apr 14, 2026
Der Auftrag - 25 Jahre nach dem Wendeherbst entdeckt das Theater Plauen-Zwickau Heiner Müllers Revolutionsstück wieder
Epigonen einer Revolution
von Michael Bartsch
Plauen, 2. Oktober 2014. Es geht deftig los auf der Kleinen Bühne neben dem Plauener Stadttheater. Der Bildschirm fängt ein, wie drei einsame Demonstranten mit Plakaten "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf der Straße von drei leichten Damen weggefangen werden. Unmittelbar darauf sieht man alle sechs Akteure live bei schwülem Licht in einem Etablissement wieder, das mindestens eine GoGo-Bar vorstellt. Aha, das ist also der berühmte "Auftrag" Heiner Müllers von 1979, inszeniert im postrevolutionären Zeitalter. Erst im Lauf der knapp eineinhalb Stunden wird die Sinnfälligkeit dieses Einstiegs, ja der immer wiederkehrenden Laszivität der drei Frauengestalten klarer. Seit der paradiesischen Sündenfall-Geschichte gilt das Weib als verhängnisvolle Verführerin, und auch hier steht es synonym für den verlockenden Verrat, für die Abkehr von der Idee, für den Triumph des Gewöhnlichen. Eifersucht auf die "Hure Revolution" beherrscht diese Frauen, die ihrerseits die Männer zu beherrschen suchen.